Einleitung
Ein neues Paradigma
Die zunehmende Modernisierung des Schienenverkehrs bringt eine stark wachsende Nachfrage nach Konnektivität und vernetzten Dienstleistungen an Bord mit sich. Züge benötigen heute robuste und zuverlässige Netzwerklösungen, um Dienste wie Fahrgastinformationssysteme, automatisierte Ticketabwicklung, Sicherheitssysteme sowie Train Control Systeme effizient zu betreiben.
Eine Schlüsselrolle in diesen Netzwerken spielen multifunktionale Geräte wie Router und Rail-Server. Sie ermöglichen nicht nur eine effiziente Verwaltung von Datenströmen, sondern auch die Virtualisierung essenzieller Anwendungen für den Zugbetrieb. Dieses Whitepaper beleuchtet die Architektur solcher Implementierungen, typische Anwendungsszenarien, mögliche Ausfallmodi sowie Strategien zur Verbesserung der Zuverlässigkeit. Zudem wird untersucht, wie diese Lösungen an Szenarien mit Zugkupplungen angepasst werden, bei denen mehrere Zugeinheiten zu einem einzigen Betriebssystem verbunden werden.
Router und Rail-Server
Typische Netzwerkarchitektur moderner Züge
Im Mittelpunkt der Netzwerkarchitektur moderner Züge stehen Router und Rail-Server, die je nach Bedarf entweder separat oder in einer integrierten Lösung verwendet werden, um den Aufwand und die Kosten zu minimieren. Diese Komponenten sorgen für eine zuverlässige Verbindung der Bordtechnologien untereinander sowie für die Kommunikation mit externen Netzwerken.
Funktionen eines Routers
Ein Zugrouter erfüllt essentielle Aufgaben wie die Datenübertragung, die Verwaltung des Netzwerkbetriebs sowie den sicheren Fernzugriff. Typischerweise nutzt er Unwired Edge Cloud OS als Betriebssystem, eine Linux-Variante von OpenWRT, und bietet folgende Hauptfunktionen:
- LAN- und WAN-Management: Der Router koordiniert die Kommunikation zwischen den lokalen Bordnetzwerken und externen Netzwerken für einen unterbrechungsfreien Betrieb.
- Uplink Aggregation: Durch die Kombination mehrerer LTE/5G-Modems, streckenseitigem WLAN und Satellitenverbindungen gewährleistet der Router eine robustere und leistungsfähigere Internetverbindung.
- L2- und L3-Netzwerkdienste: Der Router übernimmt die Verwaltung von Layer-2- (Datenlink) und Layer-3- (Netzwerk) Diensten, um eine effiziente Weiterleitung und Verarbeitung von Daten innerhalb und außerhalb des Zuges sicherzustellen.
- Fernzugriff und VPN-Dienste: Über sichere virtuelle private Netzwerke (VPNs) ermöglicht der Router den Fernzugriff und die externe Überwachung und Verwaltung der Bordsysteme.
- Software-Defined Networking (SDN): Lösungen wie Tailscale und ZeroTier erweitern die Netzwerkfunktionen durch Peer-to-Peer-Kommunikation und globale Steuerungsmöglichkeiten.
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Im Whitepaper lesen Sie außerdem:
- Drei Einsatzszenarien im Vergleich: vom kostengünstigen Kombigerät bis zum High-End-Setup mit zwei Routern und zwei Rail-Servern, jeweils mit Vorteilen, Failure Modes und Eignung pro Zugtyp.
- Rail-Server und Zugnetzwerk-Topologie komplett: Container-Virtualisierung, persistenter Speicherzugriff, Ressourcenmanagement und das Zusammenspiel mit Access Points, Switches und Bordgeräten.
- Strategien für Ausfallsicherheit: Redundanz- und Failover-Mechanismen, Ersatzhardware-Konzepte sowie Monitoring und Observability mit Prometheus-Integration.
- Szenarien für Zugkopplung: dynamische Netzwerkkoppelung, Single-Device-Failover und Clusterbetrieb mit Lastenausgleich über vier Geräte.
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Wie viel Bandbreite benötigt mein Zug?
So berechnen Sie den Bandbreitenbedarf für Ihre Router-Infrastruktur:
- 0,5–0,7 Mbit/s pro Fahrgast für Pendlerzüge
- 1–2 Mbit/s pro Fahrgast für Fernverkehr
- Multiplizieren Sie mit der Sitzplatzanzahl und berücksichtigen Sie eine gleichzeitige Nutzungsrate (meist unter 50 %)
Damit lassen sich Mobilfunk-Uplinks und WLAN-Kapazitäten zielgerichtet dimensionieren.
Wie wähle ich den richtigen Railway-Router für meinen Zugtyp aus?
Je nach Zugtyp unterscheiden sich die Anforderungen an Router-Konfigurationen:
- Straßenbahn (Light Rail): Kompakte Router mit 1–2 LTE/5G-Modems
- Regionalzüge: Modulare Router mit mehreren Uplinks und Edge-Computing-Funktionen
- Hochgeschwindigkeitszüge: Hochleistungsfähige Rack-Router mit Satellitenanbindung und 4–6 Mobilfunkmodems
Tipp: Bewerten Sie vor der Auswahl stets den konkreten Einsatzzweck, die Fahrgastanzahl und die betrieblichen Anforderungen.
Ist Wi-Fi 7 für Railway-Router notwendig?
Nein – Wi-Fi 7 ist aktuell in den meisten Bahn-Szenarien nicht erforderlich.
- Wi-Fi 6: Bester Kompromiss aus Leistung, Gerätekompatibilität und Zukunftssicherheit
- Wi-Fi 5: Kann bei hoher Auslastung zu Engpässen führen
- Wi-Fi 7: Noch teuer und bietet im Bahnkontext derzeit nur begrenzten Mehrwert
Wie viele Railway-Router benötigt mein Zug?
Faustregel:
- 1 Router unterstützt bis zu 4 einstöckige Waggons
- 2+ Router bei Doppelstockzügen oder langen Kompositionen zur besseren Bandbreitenbündelung
Empfehlungen:
- Für Basisanforderungen: LTE CAT12+
- Für hohe Anforderungen: 5G mit 2–3 Modems
- Mehr als 3 Modems vermeiden – zu hohe Antennenkabel-Komplexität
- LEO-Satellitenuplinks (z. B. Starlink) können die Performance zusätzlich verbessern – sofern verfügbar
Welche Zertifizierungen und Cybersicherheitsstandards sollte ein Railway-Router erfüllen?
Zertifizierungsanforderungen unterscheiden sich je nach Betreiber, Region und Anwendungsfall.
Unverzichtbar bei der Beschaffung:
- EN 50155 (Betriebssicherheit)
- EN 45545 (Brandschutz)
Zeitpunkt- und einsatzabhängig:
- RED (EU 2022/30) – ab 2025 verpflichtend
- EU Cyber Resilience Act (CRA)
- IEC 62443 / DIN EN 50701 (IT/OT-Sicherheit im Bahnkontext)
- NIS 2 Richtlinie und DSGVO
Empfehlung: Setzen Sie auf Plattformen, die durch Dokumentation, Testnachweise und OTA-Updates nachweislich zertifizierbar sind. So vermeiden Sie teure Vorabzertifizierungen und bleiben flexibel gegenüber zukünftigen Anforderungen.


